ElternrundschauDas Magazin für Familien
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Elternrundschau · Klartext

Pleite mit Abitur: Deutsche Schulen züchten eine Generation Geld-Analphabeten. Eine Lehrerin (52) rechnet ab und sagt Eltern, was sie mit ihrem Kind ab vier Jahren SELBST tun müssen.

17 Jahre saß Frank R. als Bankberater deutschen Abiturienten gegenüber, die nicht wussten, was ein Dispo ist. Seine Schwester Birgit bringt seit 26 Jahren Erstklässlern das Lesen bei. Am Sonntagstisch fing es an, mit einem Satz, den fast jeder deutsche Vater sagt. Eine Woche später hat Birgit ausgepackt. Bis zu Seite 20, auf der ein Bär diesen Satz ersetzt.

Eine junge Frau am Küchentisch, die Hände am Kopf. Vor ihr ihr Abiturzeugnis mit 1,4, ein Handy mit minus 2.340 Euro und fünf Mahnungen. Daneben die Hand ihres Vaters.
Abi 1,4. Minus 2.340 Euro. Fünf Mahnungen. Eine von Frank R.s Kreditakten. Angefangen hat es bei ihr wie bei fast allen: mit einem Satz am Sonntagstisch.

„Papa, woher kommt eigentlich das Geld?“

Sonntagskaffee bei meiner Mutter. Ben, fünf, hat Kakao am Kinn und meinen Zwanziger in der Hand. Der war für den Kuchen.

Und ich sage, ohne nachzudenken: „Das verstehst du noch nicht.“

Am Tisch wird es still.

Meine Schwester Birgit, 52, Lehrerin, legt die Gabel hin.

„Weißt du, was du da gerade gemacht hast?“, fragt sie.

„Ich hab ihm gesagt, dass er zu klein ist.“

„Nein. Du hast genau das gemacht, was Papa mit uns gemacht hat. Wortgleich. Und dann wunderst du dich, warum bei dir in der Bank jahrelang Leute mit Abitur saßen, die nicht wussten, was ein Dispo kostet.“

Mein Nacken wird heiß. Meine Mutter schaut in ihre Tasse.

Birgit ist noch nicht fertig.

„Die Schule bringt es ihm nicht bei, Frank. Ich weiß das. Ich BIN die Schule.“

Ben schaut zwischen uns hin und her. Er hat die Frage längst vergessen.

Ich nicht. Ich habe sie die ganze Heimfahrt gehört.

Auf der anderen Seite des Schreibtischs

Von 2006 bis 2023 war ich Bankberater, Kreditberatung, eine Filiale im Nürnberger Süden.

Über 2.000 Gespräche mit jungen Leuten zwischen 18 und 25. Erstes Konto. Erster Dispo. Erster Ratenkredit.

Mein erster Filialleiter hat beim Einarbeiten gelacht:

„Banken LIEBEN Kinder, die nicht wissen, woher Geld kommt. Aus denen werden Kunden, die nicht nachfragen.“

Ich habe damals mitgelacht. Heute nicht mehr.

Ein junger Mann im Kapuzenpulli unterschreibt am Beratungstisch einer Bank einen Kreditvertrag, vorne nur die Hand des Beraters.
Erstes Konto. Erster Dispo. Erster Ratenkredit.

Lukas, 22, Abiturschnitt 1,4

März 2019. Lukas, Lehramtsstudent. Er wollte einen Gebrauchtwagen finanzieren. 9.000 Euro, 60 Monate.

Ich legte ihm den Vertrag hin. Er hat die Monatsrate gelesen. Sonst nichts.

Die Monatsrate hat Lukas gelesen. Sonst nichts.

„Und was kostet mich das insgesamt?“, habe ich ihn gefragt. Das war eigentlich nicht mein Job.

Er hat mich angeschaut wie ein Fünfjähriger.

„Na, 9.000 Euro.“

Kurvendiskussion, Gedichtanalyse, Photosynthese, alles gelernt. Und er wusste nicht, dass ein Kredit Geld kostet.

Ich habe ihm den Kredit gegeben. Das war mein Job.

Dieses Frühjahr, Tag der offenen Tür in Bens künftiger Grundschule: Lukas ist dort jetzt Lehrer.

Woher das Geld kommt, steht bei ihm auch nicht im Plan.

Tag der offenen Tür in einer Grundschule: Ein Vater erkennt im jungen Lehrer seinen früheren Kreditkunden wieder.
Tag der offenen Tür. Lukas ist dort jetzt Lehrer.

Die Einser-Kandidaten waren die profitabelsten

Die schlechten Schüler hatten Angst vor Formularen. Die Einser-Kandidaten haben unterschrieben wie eine Klassenarbeit. Ohne draufzuschauen.

Dispo mit 12,9 Prozent. Handy auf Raten. Kein Nachfragen. Für die Filiale die besten Kunden der Welt.

Jede Rate pünktlich. Bis es nicht mehr ging. Erst Einser-Abi. Dann Schufa-Eintrag.

Ein junger Mann um die 22 sitzt abends am Küchentisch vor einem geöffneten Brief, daneben ein Handy mit einer Ratenzahlungs-Anzeige.
Erst Einser-Abi. Dann Schufa-Eintrag.

Ich nenne diese Kunden die Generation Ratenkauf: Eins im Zeugnis, null beim Geld.

Die Abrechnung der Lehrerin

Eine Woche später, Birgits Küche.

Sie hat mir einen Ausdruck über den Tisch geschoben.

„Lies vor, Frank.“

Birgits Ausdruck, zwei Kreise: Österreich angetreten. Deutschland nicht.

„Deutschland meldet seine Kinder nicht mal an“, hat Birgit gesagt. „Und im selben PISA-Jahr waren unsere Fünfzehnjährigen in Mathe so schlecht wie noch nie.“

Ich kenne das aus der Bank: Wer zur Prüfung nicht antritt, kann auch nicht durchfallen.

„26 Jahre, Frank. Münzen zählen, ja. Zwei Seiten im Mathebuch. Woher das Geld kommt: keine einzige Stunde.“

„Warum nicht?“

„Geld fragt keiner ab. Wirtschaft kommt später. Siebte, Achte, vielleicht.“

Dann kam der Satz, den ich nicht mehr loswerde.

„Die Kinder fragen mit fünf. Das System antwortet mit fünfzehn. Wenn überhaupt.“

Eine Lehrerin mit Lesebrille im Haar zeigt am Küchentisch voller Hefte mit dem Kugelschreiber auf ihren Bruder, der mit verschränkten Armen dasitzt.
Birgit, seit 26 Jahren Grundschullehrerin: „Geld fragt keiner ab.“

„700 Kindern habe ich das Lesen beigebracht, Frank. Geld lesen: offiziell keinem einzigen. Wir entlassen Analphabeten. Mit Stempel und Zeugnis.“

„Und die Eltern?“

„Die Eltern verlassen sich auf uns. Wir uns auf die Eltern. Niemand macht es.“

Andere Eltern wissen das längst. In einem Elternforum, unter einem Thread zu PISA, schreibt jemand:

Elternforum · anonymisiert

„Somit bleibt jede Förderung alleine am Elternhaus hängen.“

Am Elternhaus. Also an mir.

Was wir alle versuchen. Und woran es scheitert.

Versuch 1: Erklären. Am nächsten Morgen habe ich Ben alles erklärt. Arbeit, Lohn, Konto, Bank, Zinsen.

Nach dem dritten Satz hat er mit dem Löffel Muster in sein Müsli gemacht.

17 Jahre Kreditberatung. Und ich habe einen Fünfjährigen in drei Sätzen verloren.

Versuch 2: Das Sparschwein. Anja, meine Frau: „Gib ihm halt ein Sparschwein.“ Ben hat jeden Cent reingesteckt.

Woher das Geld kam, wusste er trotzdem nicht. Für ihn kam es aus Papas Geldbörse. Und die füllt der Automat.

Ein fünfjähriger Junge hält ein volles rosa Sparschwein ans Ohr, schüttelt es und schaut ratlos zur Seite.
Versuch 2: Das Sparschwein. Woher das Geld kam, wusste er trotzdem nicht.

Versuch 3: Die Kinderkarte. Meine alte Filiale verkauft eine Kinderkarte mit App.

Ich weiß, was eine Bank damit will. Einen Kunden ab sieben, der eine Zahl auf dem Display für Geld hält.

Kinderhände tippen auf einem Handy auf eine bunte Kinder-Banking-App mit der Zahl 12,50, daneben eine leere türkise Kinderkarte.
Was die Bank will: einen Kunden ab sieben, der eine Zahl für Geld hält.

Versuch 4: Abwarten. „Das lernt er in der Schule.“

Alles, was ich je über Geld verkauft habe, ist für SPÄTER gebaut.

Und Ben ist fünf. Und fragt JETZT.

Es liegt nicht an Ihrem Kind. Und nicht an Ihnen.

Ihr Kind ist nicht zu klein. Es hat gefragt.

Ihr Kind ist nicht zu dumm. Es hat in drei Jahren eine ganze Sprache gelernt.

Und Sie sind kein schlechter Vater.

In Deutschland wird Geld VERTAGT.

Zu Hause mit „Das verstehst du noch nicht“.

In der Schule mit „Kommt später“.

Und später kommt die Bank.

Ich war die Bank.

Mein Vater hat „Das verstehst du noch nicht“ zu Birgit gesagt und acht Jahre später zu mir. Am Abendbrottisch in Schweinfurt, 1987, zwischen Leberwurst und Nachrichten.

Abendbrot in den Achtzigern: Der Vater schaut Nachrichten, der kleine Junge fragt, die große Schwester schaut zu.
Schweinfurt, 1987. Zwischen Leberwurst und Nachrichten.

Er war Maschinenschlosser. 38 Jahre lang jeden Monat Geld nach Hause gebracht. Erklärt hat er es uns nie.

Ein Vater schreibt heute im Finanzforum, unter seiner Frage zum Taschengeld:

Finanzforum · anonymisiert

„In unserem Umfeld gibt es keine Referenz dazu, daher bin ich auf fremde Leute im Internet angewiesen“

Ich habe nicht mal gesucht. Mit 44 habe ich am Sonntagstisch den Satz meines Vaters gesagt. Im Ton von „Unterschreiben Sie bitte hier“.

„Das verstehst du noch nicht.“ Dieser Satz hat eine ganze Generation pleite gemacht.

Es war nie Ihre Schuld, dass Ihnen am Kaffeetisch kein Satz einfällt, wenn Ihr Kind fragt. Es war ein Schulsystem, das Ihnen 13 Jahre lang nicht erklärt hat, woher das Geld kommt. Und Ihren Eltern auch nicht.

Was Birgit zehn Tage nach jenem Sonntagskaffee aus ihrem Arbeitszimmer holte, hat bei Ben in fünf Abenden geschafft, was ich am Schreibtisch nie geschafft habe.

Ausschnitt einer Kinderbuchseite: ein gezeichneter Bär schaut erstaunt auf ein paar Taler in seiner Pfote.
Was Birgit aus dem Arbeitszimmer holte. Bär Bruno, Band 5.

Hier sehen, was sie geholt hat

Was Eltern mit ihrem Kind ab vier Jahren SELBST tun müssen

Drei Tage später saß ich wieder in Birgits Küche. Ohne verschränkte Arme.

„Was würdest du tun, wenn Ben dein Kind wäre?“

„Seine erste Frage beantworten. Bevor er aufhört zu fragen.“

„Eine Frage? Von einem Fünfjährigen?“

„Die erste Antwort entscheidet, ob eine zweite Frage kommt, Frank. Wer auf ‚Woher kommt das Geld?‘ ein ‚Das verstehst du noch nicht‘ kriegt, fragt nie, wie man Geld verdient.“

Lukas hat seine erste Antwort nie bekommen. Mit 22 hat er nicht mehr gefragt. Er hat unterschrieben.

„Also streich den Satz“, hat Birgit gesagt. „Wenn er fragt, sagst du: ‚Das schauen wir heute Abend nach.‘ Und dann schaust du es nach.“

Die Fünf-Fragen-Reihenfolge

Dann hat sie einen Zettel aus einem Heft gerissen und fünf Fragen aufgeschrieben. Ohne nachzudenken. Er hängt heute an unserem Kühlschrank.

Jede Frage ersetzt einen Satz, den wir Eltern sagen, wenn uns nichts einfällt.

  1. Frage 1: Woher kommt das Geld?
    Ersetzt: „Aus dem Automaten.“ und „Das verstehst du noch nicht.“
  2. Frage 2: Wie verdient man Geld?
    Ersetzt: „Von der Arbeit.“ Ein Satz, mit dem ein Fünfjähriger genau nichts anfangen kann.
  3. Frage 3: Was ist Sparen?
    Ersetzt: „Tu’s ins Sparschwein.“ Ohne Warum. Sparen ist Schritt DREI.
  4. Frage 4: Was sind Ausgaben?
    Ersetzt: „Das können wir uns nicht leisten.“ Der Satz, nach dem Kinder denken, die Familie sei arm.
  5. Frage 5: Warum ändern sich Preise?
    Ersetzt: „Früher war alles billiger.“ Der Satz, den jeder Opa sagt und keiner erklärt.

Fünf Fragen. Eine Reihenfolge.

Bei Frage drei hat sie den Kugelschreiber zweimal auf den Tisch gehauen.

„Fast alle Eltern fangen mit dem Sparschwein an. Das ist falsch. Sparen ist Schritt DREI.“

Ich habe sie angeschaut wie Lukas mich damals.

„Wie soll ein Kind sparen, wenn es nicht weiß, woher das Geld kommt? Dann spart es Zaubergeld. Du musst vorne anfangen.“

Dann hat sie auf mein Handy getippt.

„Und jede Antwort muss in die Hand. Unter sieben versteht ein Kind, was es anfassen kann. Eine Zahl auf dem Handy ist für Ben Zauberei. Eine Münze in der Hand ist Geld.“

Kinderhände legen auf einem Küchentisch vier Holz-Taler in eine Reihe und setzen einen fünften dazu, daneben eine Breze.
Birgits Regel: Jede Antwort muss in die Hand. Vier Taler. Dann fünf.

Darum ist alles gescheitert, was ich versucht hatte. Erklären: alle fünf Fragen in drei Sätzen. Sparschwein: Frage drei ohne eins und zwei. Kinderkarte: Frage vier ohne alles davor.

„Und wo krieg ich das her? Ich schreib doch kein Kinderbuch.“

Sie ist ins Arbeitszimmer gegangen und mit einem Schuber zurückgekommen.

„Musst du nicht. Hat schon jemand.“

Birgit stellt den Schuber mit den fünf Vorlesebüchern auf ihren Küchentisch, ihr Bruder Frank schaut darauf.

Seite 20

Es war ein Schuber mit fünf dünnen Vorlesebüchern. Auf jedem Cover stand eine Frage.

Birgits fünf Fragen. Wort für Wort. In ihrer Reihenfolge.

Sie hatte sie vom Cover abgeschrieben. Und mich zehn Tage zappeln lassen.

„Zehn Tage, Birgit?“

„Am Sonntag hättest du gesagt: Kinderkram. Du musstest erst merken, wie leer du dastehst.“

Dann, leiser, als säße die Schulleitung im Nebenzimmer:

„Ich lese das meinen Erstklässlern vor. Seit diesem Herbst, freitags in der Vorlesestunde. Steht in keinem Plan. Hat mir keiner erlaubt. Von meinem eigenen Geld gekauft.“

„Und wenn das rauskommt?“

„Dann soll mir einer erklären, warum ein Kind mit sechs nicht wissen darf, woher das Geld kommt.“

Niemand macht es, hatte sie gesagt. Eine macht es. Freitags. Gegen den Plan.

Eine Lehrerin liest ihrer ersten Klasse im Sitzkreis aus einem Bilderbuch vor, die Klassenzimmertür ist zu.
Freitags in der Vorlesestunde. Steht in keinem Plan.

Dann hat sie Band 5 aufgeschlagen. „Warum ändern sich Preise?“

„Lies Seite 19 und 20, Herr Kreditberater.“

Auf Seite 19 steht:

„Bruno hat gut verdient. Er will Bos große Leiter kaufen. Im Herbst kostete sie vier Taler.“

Dann Seite 20:

„Jetzt kostet sie fünf! ‚Dieselben Taler und trotzdem reichen sie nicht mehr‘, staunt Bruno.“
Band 5, Seiten 19 und 20: Biber Bo an der Leiter, Bär Bruno mit Talern in der Pfote. Text: „Jetzt kostet sie fünf! ‚Dieselben Taler und trotzdem reichen sie nicht mehr‘, staunt Bruno.“
Band 5, Seite 19 und 20

Ich habe das zweimal gelesen.

Ich habe Erwachsenen mit Folien und Zinskurven erklärt, warum dasselbe Geld irgendwann weniger wert ist. Die Hälfte hat genickt und nichts verstanden.

Und hier steht es in einem Satz. Für einen Fünfjährigen. Gesagt von einem Bären.

„Dieselben Taler und trotzdem reichen sie nicht mehr.“

Ein Satz. Mehr Finanzberatung, als Lukas in 13 Schuljahren bekommen hat.

Seite 20 selbst ansehen

Die fünf Bände, die ich heute jedem Vater in die Hand drücke

Auf dem Schuber steht „Meine erste Wirtschaft“. Fünf Vorlesebücher, für Kinder von 4 bis 8.

Das Set „Meine erste Wirtschaft“: der Schuber und davor die fünf Bände „Woher kommt das Geld?“, „Wie verdient man Geld?“, „Was ist Sparen?“, „Was sind Ausgaben?“, „Warum ändern sich Preise?“.
„Meine erste Wirtschaft“: fünf Vorlesebücher im Schuber, für Kinder von 4 bis 8.

Auf den Covern Birgits fünf Fragen:

Die Antworten geben Tiere. Eine Elster. Ein Biber namens Bo. Ein Eichhörnchen, ein Fuchs und ein Bär namens Bruno.

Bezahlt wird mit Talern. Kein Euro, kein Konto, keine App. Ich habe bis 2023 Konten und Apps verkauft. Hier ist nichts davon drin. Deshalb funktioniert es.

Das ist der Lehrplan, den meine Schwester freitags heimlich unterrichtet. Er passt in einen Schuber im Kinderzimmerregal.

Ein Vater hält den gelben Schuber „Meine erste Wirtschaft“ vor der Brust, sein Sohn im Schlafanzug zieht Band 1 „Woher kommt das Geld?“ heraus.
„Meine erste Wirtschaft“: fünf Bände, ein Schuber, passt ins Kinderzimmerregal.

Was an den fünf Abenden passiert ist

Ich habe noch am selben Abend bestellt. Ein Band pro Abend, vorne angefangen.

  1. Abend 1: „Woher kommt das Geld?“. Ben hört zu. Mehr nicht. Erwarten Sie kein Wunder. Erwarten Sie, dass Ihr Kind umblättern will.
  2. Abend 2 bis 4: Ben holt den nächsten Band selbst. „Heute Nummer drei, Papa.“
Kühlschranktür: Ein Kinderzettel in grünem Filzstift „HEUTE NR. 3“ mit einem gekritzelten Bären, darüber unscharf ein karierter Zettel mit fünf handgeschriebenen Zeilen.
„Heute Nummer drei, Papa.“ Bens Zettel hängt unter Birgits fünf Fragen.
  1. Abend 5:

    Bruno. Ich lese Seite 19 vor. Dann Seite 20. Ben spricht die Zahlen nach. „Vier.“ Pause. „Fünf.“

    Er schaut mich an: „Warum?“

    Nicht „Was?“. Nicht „Hä?“. Sondern: „Warum?“

Ein Junge im Schlafanzug kniet auf dem Sofa, hält fünf Finger hoch und schaut seinen Vater fragend an.
Am fünften Abend: „Warum?“
  1. Das war die Frage, die ich mit fünf nie gestellt habe. Weil ich die Antwort auf die erste schon nicht bekommen hatte.

    Wir haben eine halbe Stunde über Bos Leiter geredet.

    Mein Vater hat mit einem Satz eine Tür zugemacht. Bruno macht sie auf.

  2. Der Morgen danach: In der Bäckerei zeigt Ben auf die Preistafel. „Papa, ist das hier auch wie bei Bruno?“ Die Verkäuferin lacht. Ich muss mich kurz wegdrehen.
Ein Junge in Regenjacke zeigt in der Bäckerei auf die Preistafel, sein Vater kniet neben ihm und schaut zu ihm hoch.
„Papa, ist das hier auch wie bei Bruno?“
  1. Woche 3: Ben spart jetzt auf etwas, statt jeden Cent ins Sparschwein zu werfen. Schritt drei, endlich an der richtigen Stelle.

Ich habe 17 Jahre lang Finanzberatung gemacht. Die wichtigste Finanzberatung im Leben meines Sohnes hat ein Bär gemacht, auf dem Sofa, als Ben fünf war.

Das hätte ich keinem Kunden verraten.

Banken LIEBEN Kinder, die nicht wissen, woher Geld kommt. Ben weiß es jetzt. An so einem verdient keine Bank.

Der Zettel hängt heute an unserem Kühlschrank.

„Ist vier nicht viel zu früh?“

„Er fragt doch schon“, sagt Birgit. „Zu früh ist nur eine Antwort, die er nicht versteht.“

Zu spät war bei uns immer nur die Antwort.

„Macht das nicht Druck? Ich will kein Kind, das nur ans Geld denkt.“

Ich habe genug Leute gesehen, die nur ans Geld denken. Die meisten hatten nie verstanden, wie es funktioniert.

Ihr Kind stellt diese fünf Fragen sowieso. Antworten ist kein Druck.

„Kann ich das nicht einfach selbst erklären?“

Ich habe es versucht. Sie haben es gelesen.

In einem Elternforum schreibt jemand über die eigene Tochter:

Elternforum · anonymisiert

„Als drittes würd ich ihr gerne beibringen das sie ihr Geld spart, da Weis ich aber noch nicht wie ich es kindgerecht mache.“

Die Reihenfolge ahnen viele. Woran sie scheitern, steht im letzten Wort: kindgerecht.

Sie wissen, wie Geld funktioniert. Ihnen fehlt der Satz, den ein Fünfjähriger nehmen kann. Das Buch gibt ihn Ihnen. Sie müssen ihn nur vorlesen.

Zwei Wege

Der erste Weg ist die vertagte Antwort. Sie schließen diese Seite. Sie verlassen sich auf die Schule.

  1. Ihr Kind fragt noch zwei-, dreimal. Es hört zweimal „Das verstehst du noch nicht“. Mit sechs hört es auf zu fragen.
  2. Dann kommt die Schule. 13 Jahre, über 10.000 Stunden. Keine davon über Geld.
  3. Dann das Abitur. Mit 1,4. Wie bei Lukas.

Lukas stand im November 2019 wieder bei mir in der Filiale. Zwei Raten offen. Die erste Mahnung gefaltet in der Jackentasche.

Ein junger Mann mit dunklen Locken und offener Jacke steht in einer Bankfiliale am Beratungstisch, reibt sich den Nacken und schaut zu Boden; aus seiner Brusttasche ragt ein gefalteter Brief.
November 2019: zwei Raten offen. Die erste Mahnung steckt in der Jackentasche.

„Wissen Ihre Eltern davon?“, habe ich ihn gefragt.

„Mein Vater?“ Er hat gelacht, aber nicht lustig. „Der hat mir nie erklärt, wie das geht. Den ruf ich doch jetzt nicht an.“

Jetzt stellen Sie sich Ihr eigenes Kind vor. 22 Jahre alt. Die zweite Mahnung auf dem WG-Küchentisch, nachts um eins. Das Handy daneben. Ihre Nummer ganz oben in den Favoriten.

Es ruft Sie nicht an.

Eine junge Frau sitzt nachts allein am Küchentisch vor ihrem Abiturzeugnis und mehreren Mahnungen, das Handy liegt daneben.
Mit 22. Die Mahnung auf dem Tisch, das Handy daneben. Es ruft nicht an.

Es liebt Sie. Aber es schämt sich. Und Papa hat es ihm ja nie erklärt.

Der zweite Weg: Fünf Bände im Regal. Wenn die Frage kommt, sagen Sie: „Das schauen wir heute Abend nach.“ Und am fünften Abend fragt Ihr Kind: „Warum?“

Bei Ben weiß ich, wohin dieser Weg führt.

In 17 Jahren sitzt Ben an einem Beratungstisch. Gegenüber einer wie ich. Ein Vertrag, die Monatsrate groß gedruckt.

Ben liest sie. Dann legt er den Finger auf die Zeile darunter.

„Und was kostet mich das insgesamt?“

Ben mit 22: Diesmal ist der Gesamtbetrag eingekreist.

Dieselbe Frage, die Lukas nie gestellt hat. Diesmal stellt sie der Kunde. Bevor er unterschreibt.

Und wenn er nicht weiterweiß, ruft er mich an.

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Was die Antwort kostet

Ich rechne es Ihnen vor wie früher am Schreibtisch. Nur diesmal ehrlich.

Lukas' Gebrauchtwagen: 9.000 Euro, 60 Monate, 6,9 Prozent effektiv. Das sind rund 177 Euro im Monat. Macht am Ende rund 10.600 Euro.

Rund 1.600 Euro davon hat Lukas nie kommen sehen. Ich habe es damals im Kopf mitgerechnet. Er nicht.

Lukas' Gebrauchtwagen

Rund 1.600 Euro davon hat Lukas nie kommen sehen.

Er nicht.

Hätte er gefragt, hätte er zwei Jahre gespart und bar bezahlt. Das ist Frage drei. Sparen.

Eine einzige Nachhilfestunde in Mathe kostet heute 30 bis 40 Euro. Für ein Fach, das Ihr Kind wenigstens in der Schule hat.

Das Set „Meine erste Wirtschaft“ kostet 59,99 Euro. Alle fünf Bände im Schuber. Rund 12 Euro pro Frage.

Keine vier Prozent von dem, was Lukas seine fehlende Antwort gekostet hat. Weniger als zwei Nachhilfestunden.

Rabatt gibt es keinen, auch nicht für Ex-Banker, ich habe gefragt. Buchpreisbindung: 59,99 Euro, überall gleich.

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Das Set „Meine erste Wirtschaft“: Schuber, davor die fünf Bände, daneben der Vorlese-Fahrplan
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  • Vorlese-Fahrplan (PDF) · Abend 1 bis 5: welcher Band wann dran ist und welche Frage Ihres Kindes danach kommt · gratis dazu

Versand: versandkostenfrei in Deutschland · nach Österreich 14,99 €

Lieferung: Bestellen bis 1.12., dann liegt das Set an Nikolaus im Stiefel.

Transport-Garantie: Kommt ein Band beschädigt an, schicken wir sofort einen neuen. Foto genügt, kein Rückversand.

Blooma Balance · Impressum · Kontakt

Für Enkel, Patenkind oder Neffen

Am nächsten Sonntag habe ich den Schuber mitgebracht. Meine Mutter hat Seite 20 gelesen. Zweimal. Diesmal hat sie nicht in die Tasse geschaut.

Sonntagskaffee, ein paar Wochen später
Der Sonntag danach. Diesmal hat sie nicht in die Tasse geschaut.

„Den Satz hätte euer Vater gebraucht“, hat sie gesagt. „Und ich auch.“

Am Montag hat sie ein zweites Set bestellt. Für ihre Enkelin Mia, vier.

Sie sind Oma, Opa, Patentante oder Onkel, und bei Ihnen fragt gerade ein Kind, woher das Geld kommt?

Bestellen Sie das Set für dieses Kind. Im Bestellformular geben Sie die Adresse der Familie als Lieferadresse an, der Schuber geht direkt dorthin.

Fester Buchpreis, 59,99 €. Bis 1.12. bestellt, liegt er an Nikolaus im richtigen Stiefel.

Ein letzter Satz

Birgit hat an dem Abend mit dem Schuber noch etwas gesagt, das ich meinem Vater gern noch gesagt hätte.

„Ihr wart nicht schlecht. Ihr hattet keinen Satz. Und wir in der Schule haben euch auch keinen gegeben.“

Diesmal steht er auf Seite 20.

Ben ist fünf. Wie alt ist Ihr Kind?

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P.S. Birgit liest die fünf Bände weiter jeden Freitag ihrer ersten Klasse vor. Immer noch ohne Erlaubnis. „Weil es sonst keiner tut“, sagt sie.

P.P.S. Sie kennen ein Kind, das gerade fragt? Enkel, Patenkind, Neffe? Machen Sie es wie meine Mutter: den Schuber direkt an seine Adresse schicken.