„Ich bin halt wie Papa.“ Mein Sohn (7) ist jeden Dienstag pleite, seine Zwillingsschwester spart mit denselben 2 Euro. Den Satz hat er von mir. Dann kam ein Bär auf Seite 20, und am Dienstag blieb Geld übrig.
Oma las mittwochs mit Mia, Paul nie. Sein Vater hatte mit 23 einen Schufa-Eintrag. Ich bin mit ihm verheiratet. Warum Taschengeld allein deinem Kind nichts beibringt.
„Mama, kann ich mein Freitagsgeld schon heute haben?“
Dienstag, 18:40 Uhr. Paul sitzt auf dem unteren Bett und dreht seinen Brustbeutel um. Nichts fällt raus.
Er ist sieben. Am Freitag hat er 2 Euro bekommen. Wie jeden Freitag.
Von oben, aus dem Hochbett, kommt die Stimme seiner Zwillingsschwester Mia:
„Du bist halt wie Papa.“
Und Paul nickt. „Ja. Ich bin halt wie Papa. Ich kann das nicht mit Geld.“
Er sagt es so, wie man sagt: Ich hab braune Augen.
Ich stand mit dem Wäschekorb in der Tür. Mir schoss das Blut ins Gesicht. Keiner von beiden hatte den Satz erfunden.
Sie hatten ihn von mir.
Ein Jahr lang habe ich es Charakter genannt
Freitag: Geld. Samstag: Pokémon-Karten. Montag: Kiosk am Schulweg. Dienstag: nichts. Dienstagabend: Tränen.
Seit der Einschulung bekommen beide jeden Freitag 2 Euro. Gleicher Tag. Gleiche Eltern. Gleicher Geburtstag.
Mia hat heute 23,50 Euro in der Dose. Sie spart auf einen Pferdestall.
Paul ist jeden Dienstag pleite. Jeden.
Die Frau am Kiosk kennt ihn inzwischen am Wochentag. „Na, Paul? Wieder Dienstag?“ Paul hat gegrinst. Ich nicht.
Am selben Kiosk legt Mia die Schokolade zurück. „Sonst reicht's nicht für den Stall.“ Sieben Jahre alt.
Ich hatte eine Erklärung dafür. Ich habe sie oft gesagt. Auch in der Klassen-WhatsApp:
„Mia ist meine Vernünftige. Paul kommt nach seinem Vater 😂“
Mein Mann Dennis hat mitgelacht. Er hatte mit 23 einen Fernseher auf Raten, drei Mahnungen und einen Schufa-Eintrag.
Also war es klar. Spar-Gen. Charakter. Pech gehabt.
Ich lag falsch. Und Paul hat ein ganzes Jahr dafür bezahlt.
Alles, was ich probiert habe, und warum es scheitern MUSSTE
Erst mehr Geld: 3 Euro statt 2. Paul war nicht mehr dienstags pleite. Sondern montags.
Dann weniger: 1 Euro, „bis du's kannst“. Pleite am Samstag.
Dann habe ich sein Geld eingesammelt. Er hat nur Betteln gelernt.
Dann eine Spardose mit Schloss. Den Schlüssel hatte er nach vier Tagen.
Dann ein Erklärvideo auf YouTube. Nach 90 Sekunden wollte er Minecraft.
Und dann der Moment, den ich am liebsten löschen würde. Im Frühjahr, im Auto, fragte Paul:
„Mama, warum ist mein Geld immer so schnell weg?“
Das war DIE Frage. Er hat sie mir gestellt.
Und ich habe gesagt: „Das erklär ich dir, wenn du größer bist.“
Dann habe ich das Radio lauter gedreht.
Alle Versuche hatten denselben Fehler: Ich habe am Geld geschraubt. Erklärt hat es Paul keiner.
Die Gebrauchsanweisung hat genau fünf Fragen
Meine Mutter hat mir den Schuber bis Mittwoch geliehen. Zu Hause legte ich die fünf Bände nebeneinander, las die Titel und sah Pauls ganze Woche vor mir:
Band 1: „Woher kommt das Geld?“ Paul dachte: von Mama. Freitags.
Band 2: „Wie verdient man Geld?“ Paul dachte: Man kriegt es halt.
Band 3: „Was ist Sparen?“ Paul hatte nie auf etwas gewartet, das größer war als ein Brausestäbchen.
Band 4: „Was sind Ausgaben?“ Paul sah nie, wohin sein Geld geht.
Band 5: „Warum ändern sich Preise?“ Paul dachte, 2 Euro sind 2 Euro. Für immer.
Fünf Fragen. Fünf Löcher in Pauls Woche.
In diesen Büchern erklärt nicht Mama. Da gibt es eine Elster, Biber Bo, ein Eichhörnchen, einen Fuchs und Bär Bruno. Statt Euro: Taler.
Das ist der ganze Trick. Wenn ICH Paul etwas über Geld erkläre, hört er: Du hast es wieder falsch gemacht. Er macht zu.
Wenn ein Bär staunt, ist niemand schuld. Paul schaut zu, wie ein anderer sich wundert, und versteht es selbst. Ich nenne das den Bruno-Moment.
Abend fünf. Seite 20.
Die ersten vier Abende kein Feuerwerk. Nur Fragen. Am fünften Abend kam Band 5, Seite 20:
„Bruno hat gut verdient. Er will Bos große Leiter kaufen. Im Herbst kostete sie vier Taler.“
„Jetzt kostet sie fünf! ‚Dieselben Taler und trotzdem reichen sie nicht mehr‘, staunt Bruno.“
Paul setzte sich auf. Kerzengerade. „Aber er hat doch gut verdient!“
„Hat er.“
„Und trotzdem reicht's nicht?“
Ich habe nichts gesagt. Zum ersten Mal seit einem Jahr habe ich nichts erklärt.
„Mama. Das ist wie bei mir. Freitag hab ich genug. Und Dienstag reicht's nicht mehr.“
Zum ersten Mal redete mein Sohn über sein GELD. Nicht über seinen Charakter.
„Was macht Bruno jetzt?“ – „Was würdest du machen?“ – „Warten. Bis ich genug hab.“
Von oben kam Mias Stimme: „Das steht in Band drei.“
Am nächsten Tag, Dienstag, am Kiosk: „Na, Paul? Wieder pleite?“
Paul zog den Brustbeutel raus. 1,20 Euro. „Heute nicht.“ Und dann kaufte er: nichts.
Mia hat ihn an der Hand genommen, als hätte er ein Tor geschossen.
Was in Omas Schuber steckt
Meine Mutter wollte ihren Schuber am Mittwoch zurück. Also habe ich am Abend nach dem Kiosk unseren eigenen bestellt. 23:14 Uhr, im Bett.
Und ich war nicht die Erste: über 25.000 Bestellungen. Nicht die einzige Mutter, die es verbockt hat.
Das bekommst du:
- 5 Bände im Schuber, für Kinder von 4 bis 10
- Die fünf Geldfragen deines Kindes als Titel, von „Woher kommt das Geld?“ bis „Warum ändern sich Preise?“
- Geschichten statt Vorträge: Bär Bruno, Biber Bo, Taler statt Euro
- Ein Band, ein Vorleseabend. Kein Bildschirm, keine App
- 59,99 € für alle fünf (rund 12 € pro Band), versandkostenfrei in Deutschland
Oder mach's wie meine Mutter: Schick Oma diesen Artikel → Oma bestellt, das Paket geht direkt an eure Adresse.·Du bist selbst Oma oder Opa? Als Geschenk direkt zu den Enkeln schicken →
So lief es bei uns. So läuft es bei euch.
- Abend 1: Paul: „Von dir. Freitags.“ Nicht korrigieren. Vorlesen. Erwarte Fragen, kein Feuerwerk.
- Abend 5: Seite 20. Der Bruno-Moment.
- Erster Dienstag danach: 1,20 Euro im Brustbeutel.
- Woche 6: Auf Pauls Fensterbank steht ein Marmeladenglas, mit Edding beschriftet: „LEITER“. 9,40 Euro drin. Er spart auf einen Fußball. Das Glas heißt trotzdem Leiter.
„Kann ich das nicht einfach selbst erklären?“
Klar kannst du. Ich konnte auch. Ein Jahr lang. Gesagt habe ich: „Wenn du größer bist.“
Und du, diese Woche? „Später.“ „Das ist nichts für Kinder.“ „Weil ich es sage.“
„Mein Kind ist erst fünf.“ Die Bücher sind für 4 bis 10. Mit fünf fragen sie zum ersten Mal. Mit sieben sagen sie: Ich bin halt so.
„Ich will nicht pushen.“ Das ist kein Unterricht. Das ist Vorlesen. Paul hat es nie anders genannt.
Was ein Jahr ohne Gebrauchsanweisung kostet
Ich weiß, wo „Ich bin halt wie Papa“ endet. Ich wache jeden Morgen neben ihm auf.
Mit 7 ist es der Kiosk am Dienstag. Mit 13 das Handyguthaben, weg am Fünften. Mit 23 ein Fernseher auf Raten, eine Mahnung, ein Brief vom Inkasso. Mit 30 eine Wohnung, die er nicht bekommt.
Dennis hat seine Gebrauchsanweisung mit 23 bekommen. Vom Inkasso. Über 1.000 Euro. Und 2016 eine Wohnung, die wir deswegen nicht bekommen haben.
Und Mia? Mia hat mit 25 einen Notgroschen. Zwillinge. Gleiches Taschengeld. Mit 25 trennt sie ein Kontoauszug. Weil eine mittwochs bei Oma war.
2 Euro pro Kind, 52 Freitage, zwei Kinder: 208 Euro Taschengeld im Jahr. 104 Euro davon bei Paul. Ohne Gebrauchsanweisung. Die Gebrauchsanweisung kostet 59,99 Euro. Einmal. Weniger, als Paul in sieben Monaten am Kiosk gelassen hat.
Was andere Eltern und Omas schreiben:
„bei uns ist es genau andersrum als man denkt. die Große (9) hat immer jeden euro sofort rausgehauen, der Kleine (5) hortet alles. gelesen hab ich die bücher eigentlich für ihn, sie saß nur 'zufällig' mit auf dem sofa … letzten samstag im dm, so ein glitzerschleim für 4,95, sie hatte das geld schon in der hand. dann legt sie ihn zurück und sagt: ‚nee. das ist mein geld nicht wert.‘ ich hab garnix gesagt. musste ich auch nicht.“
„Ich habe das Set zum 7. Geburtstag von meinem Enkel bestellt und gleich zu meiner Tochter schicken lassen, das ging ganz einfach. Beim Herbstmarkt hab ich ihm wie jedes Jahr 10 Euro gegeben. Früher waren die nach zwei Runden Autoskooter weg. Diesmal steht er vor der Losbude und sagt: ‚Oma, da gewinnt doch keiner. Das ist rausgeschmissenes Geld.‘ Er hat 6 Euro wieder mit nach Hause genommen. Ich hab es abends gleich meiner Schwester erzählt, so stolz war ich.“
„mein sohn (6) holt sich band 5 inzwischen selbst aus dem regal, die seite mit bruno und der leiter kann er fast auswendig. gestern bei edeka: das eis am stiel, das er im sommer immer hatte, kostet jetzt 1,49 statt 1,19. er guckt aufs schild und sagt ganz ernst: ‚dieselben taler und trotzdem reichen sie nicht mehr.‘ dann hat ers zurückgelegt, ‚so teuer ist mir das nicht wert‘. die kassiererin hat gelacht und ich hab mich gefreut wie blöd.“
Du hast jetzt zwei Wege.
Weg 1: Du machst weiter wie ich. Freitag Geld, Dienstag Tränen. Mehr geben, weniger geben, wegschließen. Bis dein Kind sagt: „Ich bin halt so.“ Und du weißt, von wem es den Satz hat.
Weg 2: Du holst dir heute die Gebrauchsanweisung. Freitag Band 1. Abend fünf Seite 20. Und am Dienstag danach steht dein Kind am Kiosk und sagt: „Heute nicht.“
Jeder Freitag ohne Erklärung ist ein Freitag, an dem dein Kind lernt, dass es „so ist“. Und Nikolaus kommt: bestellt bis 1.12. = im Stiefel am 6.12.
Oder mach's wie meine Mutter: Schick Oma diesen Artikel → Oma bestellt, das Paket geht direkt an eure Adresse.·Du bist selbst Oma oder Opa? Als Geschenk direkt zu den Enkeln schicken →
Ein letztes Wort, von Mutter zu Mutter
Als ich Dennis von „Heute nicht.“ erzählt habe, ging er wortlos in die Küche. Ich fand ihn am Fenster. „Mir hat das auch nie einer erklärt“, sagte er.
Letzte Woche beim Abendbrot sagte Paul: „Mia und ich sind jetzt beide Sparer.“ Dennis hat in seinen Teller geguckt und gelächelt.
Wenn ich eine Sache zurücknehmen dürfte, wäre es ein Satz: „Paul kommt nach seinem Vater.“
Dein Kind ist nicht schlecht mit Geld. Es hat nicht das falsche Gen und nicht den falschen Charakter.
Ihm hat nur noch niemand die Gebrauchsanweisung gegeben.
Mir auch nicht. Dir auch nicht, oder? Deinem Kind schon. Ab Freitag.